Die häufigsten Augenerkrankungen

Makuladegeneration

Die Makuladegeneration ist eine Erkrankung der Netzhaut, die hauptsächlich durch den Alterungsprozess des Auges verursacht wird. Diese Erkrankung kann die Sehschärfe so stark reduzieren, dass das Lesen verunmöglicht wird. Typischerweise beklagen Patientinnen und Patienten sich über eine Verschlechterung der Sehschärfe und über die Wahrnehmung verzerrter Linien. Eine frühzeitige Untersuchung durch die Augenärztin oder den Augenarzt kann den Schaden limitieren, und es können rechtzeitig Massnahmen zur Stabilisierung oder Verbesserung eingeleitet werden.

Glaukom (grüner Star)

Das Glaukom ist meist mit einer Augendruckerhöhung verbunden; ist die Produktion von Kammerwasser grösser als der Abfluss, so steigt der Druck im Auge an und der Sehnerv wird geschädigt. Die fortschreitende Schädigung des Sehnervs verkleinert das Gesichtsfeld, und zwar schmerzlos und ohne dass die Patientin oder der Patient es bemerkt – bis zur Erblindung! Die Behandlung erfolgt in den meisten Fällen mit Tropfen, die den Augendruck senken; Laserbehandlungen und chirurgische Eingriffe sind für fortgeschrittene Verläufe die Therapien der Wahl. Die alleinige Druckmessung zur Bestätigung oder zum Ausschluss der Glaukomdiagnose ist ungenügend, da es Glaukomformen gibt, die mit einem normalen Augendruck einhergehen. Nur die Augenärztin oder der Augenarzt kann zusammen mit der Evaluation des Sehnervs und mit modernen Verfahren die Diagnose stellen und eine Therapie verordnen.

Link: Swiss Glaukom

Katarakt (grauer Star)

Dank der Linse im Augeninneren kann man Bilder scharf sehen und fokussieren. Wenn die Augenlinse trüb wird, spricht man von einem grauen Star (Katarakt). Die ersten Symptome eines grauen Stars können folgende sein: fortschreitende Sehverschlechterung, Nebelsehen, Lichtscheu oder häufiger Brillenwechsel. Nach erfolgter Untersuchung kann die Augenärztin oder der Augenarzt eine Kataraktoperation vorschlagen (Entfernung der trüben Linse und Einsetzen einer künstlichen Linse).

Die Operation des grauen Stars ist die häufigste Operation überhaupt, in der Schweiz und weltweit. In der Regel wird sie ambulant in lokaler Betäubung durchgeführt, meist mittels Augentropfen. In Einzelfällen können eine Spritze oder eine Narkose nötig werden, seltenst ein kurzer Spitalaufenthalt. Das Komplikationsrisiko ist heute sehr niedrig und die visuelle Rehabilitation meist rasch.

Neben der Erfahrung des Chirurgen ist auch die Wahl der geeigneten Kunstlinse (Intraokularlinse) wichtig. Von den Krankenkassen werden die gesamten Operationskosten vergütet, inklusive Linse. Vergütet wird eine Basis-Kunstlinse, eine sogenannte sphärische Intraokularlinse. Es gibt aber weitere Linsentypen mit zusätzlichen Funktionen. Dazu gehören asphärische Linsen (teilweise in Kombination mit Blaulichtfilter), torische Linsen und multifokale Linsen. Im Rahmen der Linsenausmessung (Biometrie) wird abgeklärt, welche Intraokularlinse für Ihr Auge optimal ist. Sie entscheiden dann, ob Sie eine sogenannt  optimierte Linse oder eine Basislinse möchten. Bei den optimierten oder Sonderlinsen entstehen gegebenenfalls Mehrkosten, die sich zusammensetzen aus logistischem Mehraufwand, Zusatzberechnungen, sowie eventuellen Nachuntersuchungen und -behandlungen, welche nicht über die Krankenkasse abgerechnet werden können. Diese Mehrkosten müssen aus der eigenen Tasche bezahlt werden.

1. Monofokale oder Einstärken-Linsen

Meist werden Einstärkenlinsen eingesetzt. Sie geben ein scharfes Bild in eine Distanz, sofern keine höhere Hornhautverkrümmung vorliegt. Sie können dabei frei entscheiden, ob Sie in die Ferne scharf sehen wollen (was am häufigsten gewählt wird) oder aber in die Nähe, was Kurzsichtige gewohnheitsbedingt oft vorziehen. Für die jeweils andere Distanz braucht es dann eine Brille. Als Kompromiss zwischen beidem ist bei gewissen Patienten auch mit Einstärkenlinsen eine sogenannte Monovision möglich, bei der ein Auge für die Ferne und eines mehr für die Nähe korrigiert wird. Idealerweise wird versucht, das postoperative Resultat vor dem Eingriff mit Kontaktlinsen zu simulieren, da diese Variante nicht von allen Menschen als angenehm empfunden wird. Bei fortgeschrittenem grauem Star ist ein solcher Test mit Kontaktlinsen allerdings oft nicht mehr aussagekräftig.

1a. Basis- oder sphärische Linsen

Sphärisch bedeutet kugelförmig. Mit dieser Linse entsteht ein scharfes Bild auf eine Distanz, aber die punktförmige Abbildung auf der Netzhaut ist nicht ganz optimal. Die Bildqualität ist besonders in der Dämmerung oder nachts nicht ganz so gut wie mit einer asphärischen Linse.

1b. Asphärische Linsen

Die natürliche Form der Hornhaut ist selten kugelförmig, sondern gegen den Rand nach aussen hin etwas abflachend. Dies wird in der Optik als Asphäre bezeichnet. Das Ausmass dieser Abweichung von der Kugelform ist bei jedem Menschen anders. Eine individuell angepasste asphärische Kunstlinse hat den Vorteil, dass sie die punktförmige Abbildung auf der Netzhaut verbessert und damit das Kontrastsehen, vor allem bei grösserer Pupille, d.h. nachts und in der Dämmerung. Die Korrektur der Asphärizität ist von Linse zu Linse verschieden und erklärt auch, weshalb manchmal in beiden Augen unterschiedliche Linsen implantiert werden.

1c. Torische Linsen

Diese Kunstlinsen werden zur Korrektur einer Hornhautverkrümmung eingesetzt, falls Sie nach der Staroperation für die Ferne oder Nähe keine Brille mehr tragen wollen. Torische Linsen müssen  genau auf die Achse der Hornhautverkrümmung ausgerichtet werden, um den gewünschten Effekt zu erreichen. Meistens gelingt das sehr gut, selten muss die Linse nachrotiert werden.

2. Multifokal- oder Mehrstärkenlinsen

Diese Kunstlinsen kommen dann in Frage, wenn ein sehr grosser Wunsch nach Brillenunabhängigkeit nach der Staroperation besteht. Es gibt verschiedenste Modelle. Kunstlinsen mit erweiterter Tiefenschärfe erlauben meist eine Nahsicht bis ca. 80 cm («EDOF», extended depth of focus). Bifokale und trifokale Kunstlinsen können meist auch die Lesedistanz abdecken.

Allen gemeinsam ist, dass sie im Gegensatz zu den Einstärkenlinsen mehrere Brennpunkte haben und damit gleichzeitig mehrere Bilder ins Auge liefern. Damit ist der Lichtbedarf in jeder einzelnen Distanz erhöht, weshalb diese Linsen nur eingesetzt werden sollten, wenn die Augen abgesehen von der Linsentrübung gesund sind. Auch das Kontrastsehen ist nicht so optimal wie bei Einstärkenlinsen. Postoperativ ist eine Lern- und Gewöhnungsphase nötig, die mehrere Wochen bis Monate dauern kann. In dieser Phase berichten Patienten nicht selten von Begleiterscheinungen wie Halos und Blenden. Bei entsprechender Motivation bessern diese Beschwerden meistens.  In Einzelfällen gelingt die Gewöhnung nicht, und dann kann ein Austausch der Mehrstärkenlinse in Erwägung gezogen werden. Bei dieser Art von Linsen ist der Aufklärungs- und Untersuchungsbedarf am grössten. Sie verlassen sich dabei am besten auf die Erfahrung und das Fachwissen Ihres persönlichen Augenarztes.

3. Blaufilter

Es gibt Intraokularlinsen, die zusätzlich zum UV-Licht auch kurzwelliges Blau oder Violettlicht herausfiltern. Kurzwelliges Blau- und Violettlicht ist schädlich für die Makula (Netzhautmitte).  Auch die natürliche Augenlinse filtert diese Wellenlängen teilweise heraus, und somit sind Kunstlinsen mit diesem zusätzlichen Lichtfilter der natürlichen Augenlinse ähnlich. Grosse klinische Studien zur Langzeitwirkung sind noch ausstehend, nachgewiesene Nachteile hat die Implantation einer Blaulichtfilterlinse nicht.

Schlussbemerkung

Die Entwicklung neuer Linsen-Technologien ist ein fortlaufender Prozess. Diese Orientierungshilfe erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt das Informationsgespräch mit Ihrem Augenarzt nicht.

Myopie

Die Kurzsichtigkeit entsteht meist durch ein übermässiges Längenwachstum des Augapfels in der Jugend. Sie ist teils erblich bedingt, wird aber begünstigt durch Lebensumstände wie zuwenig Tageslicht und zuviel Naharbeit. Eine hochgradige Kurzsichtigkeit erhöht das Risiko für verschiedene Augenerkrankungen im Alter. Das bleibt auch nach einem refraktiven Eingriff so (d.h. wenn man "die Brille wegoperieren lässt"). Für Kinder und Jugendliche, vor allem für solche mit kurzsichtigen Eltern, ist es daher empfehlenswert, viel ans Tageslicht zu gehen und bei langer Naharbeit Pausen einzulegen, damit sie weniger kurzsichtig werden: wenn möglich zwei Stunden täglich ins Freie und alle zwei Stunden zwanzig Minuten Pause beim Lesen oder Gamen. Interessierte finden weitere Empfehlungen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft unter dem Link "Myopie".

Keratokonjunktivitis epidemica (KCE)

Empfehlungen der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft (SOG) und der Gruppe für Entzündliche Augenkrankheiten (GEAK) zur Keratokonjunktivitis Epidemica (KCE)

Die KCE ist eine hochansteckende Entzündung der Bindehaut und Hornhaut. Die auslösenden Erreger der KCE sind Adenoviren der Familie Adenoviridae. Diese sind sehr umweltresistent und bei Zimmertemperaturen unter Umständen über Wochen infektiös. Sie gehören zur Gruppe der humanpathogenen Adenoviren. Diese sind in 67 Typen in Gruppen A-G aufgeteilt. Die auslösenden Viren der KCE gehören in Gruppe D. Die Keratokonjunktivitis epidemica wird hierbei von den Typen 8, 19, 37 ausgelöst, die follikuläre Konjunktivitis von den Typen 3, 4, 7. Die hohe Ansteckungsgefahr, die lange Überlebenszeit der Viren, die lange Inkubationszeit sowie das Fehlen einer wirksamen Therapie führen immer wieder zu örtlich vermehrt auftretenden Fällen.

Ansteckung

Die Erkrankung zeigt keine jahreszeitliche Häufung. Sie kommt jedoch örtlich gehäuft vor, da sie über Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragen wird. Dies geschieht häufig über kontaminierte Hände und kontaminierte Gegenstände. Die Erkrankungsdauer liegt bei ca. 2 Wochen. Die Erkrankung gilt als ansteckend in der Regel ungefähr 7 Tage nach Beginn der ersten Symptome.

Symptomatik und Befunde

Adenoviren können je nach Serotyp des Virus zu unterschiedlichen Krankheitsbildern führen:

  • der KCE, die alle Altersklassen betrifft
  • dem Pharyngokonjunktivalfieber, welches eher Vorschul- und Schulkinder betrifft und
  • der follikulären Konjunktivitis, die Kinder und junge Erwachsene betrifft.

Zu den Symptomen am Auge gehören unter anderem:

  • Juckreiz
  • ein gerötetes Auge
  • Tränenfluss
  • Lichtscheu
  • und Fremdkörpergefühl.

Die Symptome beginnen meist an einem Auge und können sich innerhalb von wenigen Stunden ausbilden. Innerhalb von wenigen Tagen ist häufig auch das Partnerauge betroffen.

Die Befunde am Auge weisen eine gerötete Bindehaut, Bindehautschwellungen, Lidschwellungen, subtarsale Follikel und Pseudomembranen auf. Im Verlauf von ca. 1-2 Wochen kann es zu einer Mitbeteiligung der Hornhaut mit einer Keratokonjunktivitis superficialis punctata und subepithelialen Infiltraten (Nummuli) kommen. In den meisten Fällen erholt sich die Sehschärfe komplett. Die Erkrankung ist meistens von einer Lymphknotenschwellung im Bereich der Ohren begleitet. Des Weiteren können der Erkrankung unspezifische Beschwerden wie bei einem fiebrigen Infekt vorausgehen.

Diagnostik

Die Diagnosestellung erfolgt beim Augenarzt mittels der klinischen Befunde. Bei unklaren Befunden oder bei einer Tätigkeit in Institutionen/Spitälern kann zusätzlich ein Abstrich* durchgeführt werden. Im Verlauf wird versucht, möglichst wenige Kontrolluntersuchungen beim Arzt durchzuführen, um eine weitere Verbreitung der Infektion zu verhindern.

* Der direkte Virusnachweis kann mittels Antigennachweis, einem Nukleinsäurenachweis oder Virusisolierung in Zellkulturen aus dem Bindehautabstrich erfolgen. Im klinischen Alltag erfolgt die Diagnostik primär durchs klinische Bild, und ggf. labortechnisch mittels Antigen- und/oder Nukleinsäurenachweis.
 

  • Antigennachweis (z.B. Rapid Immunoassay Test (Adenoplus)) Der Adenovirus Antigennachweis ist ein Schnelltest mittels Bindehautabstrich. Er ist einfach durchzuführen, unterliegt aber der PCR in Sensitivität und Spezifität. Er eignet sich gut für den klinischen Alltag.
  • Nukleinsäure-Nachweis (z.B. PCR)
     

Die PCR ist der sicherste Nachweis einer Adenovirus Infektion. Er wird insbesondere bei Krankenhauspersonal und bei Patienten in Spitäler mit dringendem Verdacht auf KCE, aber negativem Antigennachweis durchgeführt.

Therapie und Prävention:

Da es bis dato keine kausale Therapie gegen die KCE gibt, sind vor allem hygienische Maßnahmen, inklusive Lüftung, von höchster Wichtigkeit, um eine Ausbreitung der Erkrankung in Institutionen, im persönlichen Umfeld und in ärztlichen Praxen zu verhindern. Auf die teils kontrovers diskutierten Therapieoptionen im akuten wie auch chronischen Krankheitsverlauf wird im Rahmen dieses Merkblattes nicht eingegangen. Eine zugelassene Therapie für die KCE gibt es aktuell nicht.

Verhaltensempfehlungen bei Verdachtsfällen und für Patienten

Beim Verdacht auf eine Erkrankung sollte ein Augenarzt aufgesucht werden, um eine Erkrankung zu bestätigen/auszuschließen. Solange sollte die betroffene Person öffentlichen Institutionen bzw. dem Arbeitsplatz fernbleiben. Wichtig ist die Verhinderung von Schmierinfektionen im Falle von Verdachtsfällen. Hierfür wird eine gründliche Händedesinfektion mit viruziden Händedesinfektionsmitteln empfohlen. Dies sollte nicht nur vom Erkrankten, sondern auch von in Kontakt stehenden Personen regelmäßig durchgeführt werden. Um Übertragungen über Oberflächen zu vermeiden, ist eine Flächendesinfektion sinnvoll. Hierbei sollten alle Oberflächen, die potentiell in Kontakt mit infizierten Personen standen, mit einem viruziden Mittel desinfiziert werden. Es ist zu bedenken, dass Adenoviren Tage bis Wochen auf Oberflächen persistieren können, z.B. auf Türklinken, Fahrstuhlknöpfen und ähnlichem.

Patienten und Kontaktpersonen sollten über die hohe Ansteckungsgefahr aufgeklärt werden, um weitere Übertragungen zu vermeiden. Von Patienten und Kontaktpersonen sollte eine regelmäßige Händedesinfektion durchgeführt werden. Es gilt jeglichen Hand-Augenkontakt zu vermeiden. Im häuslichen Umfeld ist eine strikte Trennung der Hygieneartikel wie z.B. Waschlappen, Handtüchern usw. einzuhalten. Es ist sinnvoll, regelmäßig die Kopfkissenbezüge zu wechseln und die Räume regelmäßig zu lüften. Verordnete Augentropfen und –salben dürfen nur von einer Person angewandt werden.

Verhalten bei Verdachtsfällen in Krippen, Kindergärten und Schulen

Die Symptome einer KCE/follikulären Konjunktivitis gleichen denen einer generellen Bindehautentzündung mit Fremdkörpergefühl, Brennen, Jucken, geröteten Augen und Lichtscheu. Auch hier gilt, dass Kinder und Jugendliche mit einer Bindehautentzündung der öffentlichen Einrichtung fernbleiben sollen. Je nach Verlauf, jedoch spätestens wenn die Bindehautentzündung eitrig ist oder nicht innerhalb von 1-2 Tagen besser wird, sollte ein Kinder- oder Augenarzt aufgesucht werden. Sollte es zu mehreren Verdachtsfällen in einer Einrichtung kommen, ist es sinnvoll die Eltern der anderen Kinder zu informieren und sensibilisieren, um eine weitere Verbreitung zu vermeiden.

Arbeitsunfähigkeit

Grundsätzlich gilt hier: während der Erkrankung ist der Patient wegen einer reduzierten Sehfähigkeit, Schmerzen und Blendungsempfindlichkeit arbeitsunfähig. Bei einer KCE/follikulären Konjunktivits steht jedoch die hohe Kontagiosität im Vordergrund. Deshalb richtet sich die Arbeitsunfähigkeit auch nach der Ansteckungsgefahr. Patienten, inkl. Kinder, sind in der Regel ansteckend 1 Woche nach den ersten Symptomen.

Literatur


Der Vorstand der SOG

Der Vorstand der GEAK

Dr. Florentina Freiberg Verfasserin
Prof. Konstantin Gugleta Präsident

                                                          

Weitere Informationen finden Sie unter Links und Vereine und Stiftungen.